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Reichenauer Texte und Bilder

Mechthild Pörnbacher

Walahfrid Strabo: Zwei Legenden
Versus Strabi de beati Blaithmac vita et fine.
De vita et fine Mammae monachi.
Mit einem Geleitwort von Walter Berschin
(Reichenauer Texte und Bilder Band 7)

2011, 2. erweiterte Aufl.,124 S., 9 Abb. (davon 5 in Farbe), 12,80 € [D],  ISBN 978-3-86809-014-7

 

Der Alemanne Walahfrid Strabo (808/09-849), Schüler, Mönch, Lehrer und schließlich Abt (seit 838) auf der von ihm so geliebten Reichenau, verfaßte unter anderem zwei Heiligenlegenden in Hexametern, die Lebensbeschreibungen zweier Martyrer, die auf seiner Klosterinsel verehrt wurden.

Der erste, kürzere Text entstand wohl schon kurz nach dem gewaltsamen Tod des Mönches Blathmac, des Sohnes des Königs von Irland: um 825 wurde er zusammen mit einigen Gefährten von heidnischen Dänen auf der Insel Iona erschlagen, weil er nicht bereit war, den Schrein mit den Reliquien des hl. Columba herauszugeben – Verse, aus denen auch ein moderner Leser noch spüren kann, mit welcher Eindringlichkeit die Nachricht vom Martyrium irischer Mönche vor 1170 Jahren bis zum Bodensee kam.

Die Geschichte des Mammes führt nach Kappadozien zur Zeit der Christenverfolgung unter Aurelian. Mammes, ein zwölfjähriger Waise, flieht aus Caesarea und sucht mit seiner Schafherde Schutz in der Abgeschiedenheit der Berge. Die Tiere des Waldes gesellen sich zahm zu ihm, sogar ein mächtiger Löwe folgt ihm aufs Wort. Der Statthalter des Kaisers spürt Mammes auf. Um sich des unheimlichen Kindes entledigen zu können, wird es zum Tod verurteilt. Die Anklage lautet auf Zauberei und Leugnung der heidnischen Götzen. Vordergründig eine fast exotische Erzählung voller Spannung. Doch Walahfrid will mehr. Mammes vor dem Statthalter – das Verhör in Rede und Gegenrede, die Augenblicke vor der Folterung, der Moment, in dem die Raubtiere in die Arena gehetzt werden: das sind die Facetten, in denen sich die Absurdität einer Regierung mit totalem Anspruch spiegelt. Dennoch dem Glauben treu zu bleiben, das ist der Anspruch des Christentums, und um diesen Anspruch geht es in Walahfrids so eleganter wie aufwühlender Dichtung.

Dem lateinischen Text mit Quellennachweisen ist eine deutsche Übersetzung gegenübergestellt. Sorgfältig ausgewählte Illustrationen und eine Einleitung mit kurzem Kommentar geben eine erste Einführung in die beiden Werke. Mit Namenregister, Handschriftenverzeichnis und Bibliographie.