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Dichtung der Englischsprachigen Welt

Wilfred Owen

Gedichte. Zweisprachig. Übersetzt, mit einer Einleitung und Anmerkungen von Joachim Utz

1993, kt., XI + 171 S., 16,00 € [D], ISBN 978-3-9802440-2-2

 

Owen wurde nicht, wie oft behauptet, vom Krieg zum Dichter gemacht; seine Entwicklung zwischen 1912 und 1918 verlief mit einer erstaunlichen, hellsichtigen Kontinuität, als habe er gewußt, daß ihm nur 25 Lebensjahre zugemessen waren und der Krieg die eigentliche Herausforderung seines Künstlerturns sein würde: Als Gemeindehelfer in Dunsden distanziert er sich 1912 von der religiösen Erweckungsbewegung der Anglikanischen Kirche und wendet sich den Mühseligen und Beladenen seiner Gemeinde und der verantwortungsethischen Dichtung Shelleys zu; in Frankreich wird er zum Ästheten und lernt irn August 1914 Laurent Tailhade kennen, der ihm die Dichtung der französischen Symbolisten sowie die Romane Flauberts nahebringt; von 1915 bis 1916, irn Verlauf seiner militärischen Ausbildung, erkennt er, wie verwandt sein in früheren Gedichten artikuliertes Lebensgefühl dem jetzt vom Krieg überschatteten ist und gewinnt 1917 irn Craiglockhart-Hospital die für seine künstlerische Reifung so bedeutende Freundschaft Siegfried Sassoons; 1918 wird Owen der Dichter, der die literarische Tradition in technisch neuartiger und künstlerisch originaler Weise seiner Erfahrung des Krieges zu integrieren vermag.
Owens reife Dichtung vom »Pity of War«, dem Elend des Krieges, spiegelt in einer außerordentlichen Skala von Tönen den Zusammenbruch der europäischen Zivilisation, der sich irn 19. Jahrhundert angebahnt hatte. Krieg war schon lange vor dem Ausbruch des Weltkriegs nicht nur atmosphärisch spürbar; für viele, und nicht nur in England, war er ein innerer Zustand.

 

Benjamin Britten hat seinem »War Requiem« Gedichte von Wilfred Owen zugrunde gelegt.  PDF 

 

ANTHEM FOR DOOMED YOUTH

What passing-bells for these who die as cattle?

      – Only the monstrous anger of the guns.

      Only the stuttering rifles' rapid rattle

Can patter out their hasty orisons.

No mockeries now for them; no prayers nor bells;

     Nor any voice of mourning save the choirs, –

The shrill, demented choirs of wailing shells;

     And bugles calling for them from sad shires.

What candles may be held to speed them all?

     Not in the hands of boys but in their eyes

Shall shine the holy glimmers of goodbyes.

     The pallor of girls' brows shall be their pall;

Their flowers the tenderness of patient minds,

And each slow dusk a drawing-down of blinds.

HYMNE FÜR DIE VERDAMMTE JUGEND

Welch Grabgeläute denen, die wie Schlachtvieh sterben?

     – Die ungeheure Wut nur der Kanonen.

     Das schnelle Schnacken nur von stotternden Gewehren

Kann ihre Stoßgebete übertönen.

Jetzt weder Glocken noch Gebete, die sie verhöhnen;

     Noch Stimmen sonst der Klage ihnen; nur Gesänge, –

Die schrillen Wahngesänge der Granaten, ihr Stöhnen,

     Und fern aus trauervollen Gauen rufend, Hörnerklänge.

Wird Beistand ihnen und von welcher Kerzen Schein?

     Nicht in den Händen von Knaben, in ihren Augen immer

Soll glänzen allen Abschieds heiliger Schimmer;

     Blässe von Mädchenstirnen soll ihr Bahrtuch sein;

Die Zärtlichkeit geduldiger Seelen ihr Blumenflor.

Und jede müde Dämmerung zieht abends die Läden vor.

 

Verzeichnis der Gedichte